Ausgabe 24, 9. bis 15. Juni 2018

Frauen in leitenden Positionen sind in der Schweizer Kirche Alltag: Im neuen Pastoralraum Basel-Stadt gehören Béatrice Bowald, Sarah Biotti und Andrea Albiez (von links, hier mit ihrem Kollegen Johannes Schleicher) zum fünfköpfigen Leitungsteam. (Foto: Regula Vogt-Kohler)Frauen in leitenden Positionen sind in der Schweizer Kirche Alltag: Im neuen Pastoralraum Basel-Stadt gehören Béatrice Bowald, Sarah Biotti und Andrea Albiez (von links, hier mit ihrem Kollegen Johannes Schleicher) zum fünfköpfigen Leitungsteam. (Foto: Regula Vogt-Kohler)

Rom: Nein zur Priesterweihe für Frauen ist «endgültig»

Der Präfekt der Glaubenskongregation erteilt Hoffnungen auf eine Änderung eine Absage

Erzbischof Luis Ladaria, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, tritt Stimmen entgegen, die am endgültigen Charakter des Neins der katholischen Kirche zur Priesterweihe von Frauen zweifeln.

Der Beitrag von Erzbischof Ladaria in der ­Vatikanzeitung «Osservatore Romano» vom 30. Mai (auf Deutsch unter www.osservatoreromano.va/de) verteidigt die bekannte Ablehnung der Priesterweihe für Frauen. «Christus wollte dieses Sakrament den zwölf Aposteln verleihen, die alle Männer waren, und diese haben es ihrerseits anderen Männern übertragen», schreibt der Leiter der Glaubenskongregation. «Die Kirche wusste sich immer an diese Entscheidung des Herrn gebunden, die es ausschliesst, das Priestertum des Dienstes gültig Frauen zu übertragen.»

Ladaria beruft sich auf das Apostolische Schreiben Ordinatio sacerdotalis vom 22. Mai 1994, in dem Papst Johannes Paul II. erklärte, «dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben». Diese Wahrheit gehöre zum Glaubensgut der Kirche, schreibt Ladaria, und verweist auf die Unfehlbarkeit des Lehramts der Kirche.

Zudem habe sich Johannes Paul II. damals mit den Vorsitzenden der besonders betroffenen Bischofskonferenzen beraten: «Alle ohne Ausnahme erklärten mit voller Überzeugung, dass die Kirche aus Gehorsam gegenüber dem Herrn keine Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu erteilen.» Benedikt XVI. und Franziskus hätten diese Lehre bekräftigt. Ladaria schreibt, es erfülle ihn «mit grosser Sorge, dass in einigen Ländern Stimmen zu hören sind, die den endgültigen Charakter der genannten Lehre wieder in Zweifel ziehen».

Wenig Verständnis in Basel
Auf Anfrage äusserte sich Monika Hungerbühler, Co-Dekanatsleiterin des Dekanats Basel-Stadt und Vizepräsidentin des Vereins Kirchliche Gleichstellung, deutlich: «Es ist die alte Leier, und es ist ein Skandal. Die Kirche muss sich nicht wundern, wenn ihr die Leute in Scharen davonlaufen.» Bischof Felix habe schon früher festgestellt: «Wenn man über eine Frage nicht reden darf, schadet das der Sache.»

Diakon Joseph Thali war als Mitglied des Landeskirchenrats Baselland Teil der Delegation, die 2016 das Anliegen der Gleichstellung in Rom deponierte. «Meine Meinung ist, Rom müsste als ersten Schritt die Diakonatsweihe für Frauen öffnen.» Im Bistum Basel gebe es heute auch Frauen als Pastoralraumleiterinnen. Und: «Wenn die Not gross genug ist, wird sich die ganze Ämterstruktur ändern», so Thali.

Kurz und bündig meinte Denise Buser, Titularprofessorin für kantonales öffentliches Recht an der Universität Basel: «Ich glaube an die Macht der besseren Argumente, die eindeutig für die konstruktive Rolle von berufenen Priesterinnen sprechen. Früher oder später wird sich deshalb die Frauenordination durchsetzen – zum Wohl der katholischen Kirche.»

Christian von Arx

 

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